Vor rund einhundert Jahren kam es der damaligen Epoche einer Sensation gleich, wenn es hieß: „Der Zeppelin kommt". War es im Kaiserreich den meisten Zeitgenossen aus finanziellen Gründen unmöglich, diesem Ereignis persönlich an Bord beizuwohnen, so konnte die Teilhabe daran wenigstens über die Post ermöglich werden. Ebenso stand die Flugzeugentwicklung erst am Anfang ihrer Geschichte und die Reise mit einer „Flugmaschine" war, an heutigen Maßstäben gemessen, etwas ganz Außergewöhnliches.

Die Flugpost am Rhein und am Main ist eine der bekanntesten und frühesten Veranstaltungen, in deren Rahmen Postflüge stattfanden. Sie fand in der Zeit vom 10. Juni bis 23. Juni 1912 im Rahmen einer zu Wohltätigkeitszwecken veranstalteten „Postkartenwoche" statt. Sie steht somit am Beginn der deutschen Flugpostgeschichte und gilt als erste große Flugveranstaltung mit amtlicher Luftpostbeförderung auf der ganzen Welt.

Den Ehrenschutz bzw. die Schirmherrschaft übernahmen Großherzog Ernst Ludwig und Großherzogin Eleonore von Hessen und bei Rhein. Der Erlös ging an die Großherzogliche Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge in Hessen. Der leidgeplagte Briefmarkensammler mag daran erkennen, dass er als Interessent auch immer als Sponsor gefragt ist und war. Das Zuschlagswesen ist eng verknüpft und praktisch so alt, wie das Sammeln selbst. Vermutlich haben die damalig Begeisterten ebenso aufgestöhnt, wie die heutigen. In der damaligen Zeit wog die wirtschaftliche Belastung bestimmt noch schwerer, als in der Gegenwart. Dennoch oder gerade deshalb sind eine Reihe interessanter Belege entstanden, welche auch nach einem Jahrhundert nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben.

Die Flugpostbeförderung fand überwiegend durch das Luftschiff „Schwaben" statt, während der Rest durch das Flugzeug „Gelber Hund" transportiert wurde. Es handelte sich also um ein kombiniertes Luftfahrtereignis unter Mitwirkung eines Zeppelins sowie eines Flugzeugs. Diese Konstellation war seither selten anzutreffen. Um die Karten befördern lassen zu können, mussten sie zusätzlich mit halbamtlichen Wertzeichen, so genannten Flugmarken - Vignetten, versehen werden. Obwohl diese keinen postalischen Wert hatten, sondern vom Veranstalter ausgegeben wurden, erhielten sie eine postamtliche Entwertung.

Die „Erste deutsche Luftpost am Rhein und am Main" stellt ein in sich abgeschlossenes Briefmarkensammelgebiet aus der Pionierzeit der Flug- bzw. Luftpost dar. Es ist überschaubar und dennoch interessant und vielfältig. Für den kleineren Geldbeutel mag es vielleicht interessant sein, die fünf verschiedenen Stempel auf den Standardpostkarten zu dokumentieren oder von einem Stempelort alle verfügbaren Stempeldaten zu komplettieren. Weiteren individuellen Ideen sind jedenfalls keine Grenzen gesetzt und mit etwas Geduld lässt sich sicher eine einmalige Kollektion erstellen. Aus der nachfolgenden Abhandlung lässt sich vielleicht die ein oder andere Anregung entnehmen.