A Briefmarken

aa) Flugpostmarken - Vignetten des Veranstalters (ohne Aufdruck)

Taube mit Brief - Die Abbildung zeigt laut Pressenotiz "einen als Symbol der Flugpost im Licht der aufgehenden Sonne über den Wolken schwebenden Phantasievogel".

Die Vignetten wurden von Professor Kleukens entworfen. Die Wertzeichen wurden im Buchdruckverfahren auf sämischen Papier in Bögen zu je 100 Exemplaren von der Druckerei Osterrieth in Frankfurt am Main hergestellt. Die halbamtlichen Marken wurden am 8. Juni 1912 (10 Pfennig) und am 11. Juni 1912 (20 Pfennig) sowie am 17. Juni 1912 (30 Pfennig) ausgegeben. Die Flugpostmarken sind mit einer Linienzähnung 11 ½ versehen. Bei der Linienzähnung wird ein Zähnungsmesser in regelmäßigen Abständen zunächst waagerecht und dann senkrecht durch die Markenbogen gestochen. Die Maßeinheit für die Zähnung ist die Anzahl der Zähnungslöcher (nicht der Zähne!) auf 2 cm Markenlänge und kann über entsprechende Schablonenschlüssel bestimmt werden.

Auflagen
10 Pfennig 497.000 Stück (Michel-Nr. I ; Sieger-Nr. 10)
20 Pfennig 194.000 Stück (Michel-Nr. II ; Sieger-Nr. 11)
30 Pfennig 100.000 Stück (Michel-Nr. III; Sieger-Nr. 12)

Das Porto deckte die Luftschiffbeförderung ab, welche zunächst mit einheitlich 30 Pfennig geplant war, aber tatsächlich bis auf eine Ausnahme auf 10 Pfennig herabgesetzt wurde. Die Marke zu 20 Pfennig verkörperte einen entsprechenden Spendenanteil.

10 Pfennig Bogen mit 10 x 10 Marken
ab) Flugpostmarken - Vignetten des Veranstalters (mit Aufdruck)

Wie obige 10 Pfennig Marke jedoch mit dunkelblauem Aufdruck "- 1 M. - Gelber Hund" mit Ausgabedatum 10. Juni 1912. Ab dem vorletzten Veranstaltungstag am 22. Juni 1912 wurden schließlich noch Marken mit schwarzem E. EL. P. Aufdruck verausgabt.

Auflagen

1 Mark 30.000 Stück (Michel-Nr. IV ; Sieger-Nr. 13)
10 Pfennig 3.000 Stück (Michel-Nr. V ; Sieger-Nr. 14)
20 Pfennig 6.000 Stück (Michel-Nr. VI; Sieger-Nr. 15)

1 Mark beinhaltete die Portostufe für die Beförderung mit dem Postflugzeug. Die E. EL. P. Aufdruckmarken waren für ein Preisausschreiben des Veranstalters vorgesehen, wurden jedoch auch für Karten mit abweichenden Adressaten verwendet.

ac) Reichspostmarken
Da die Reichspost keinen extra Profit aus der Wohltätigkeitsaktion ziehen wollte, mussten die Karten zudem nur mit dem üblichem Reichspostporto, das heißt für Adressen im Inland mit 5 Pfennig und dem Ausland mit 10 Pfennig freigemacht werden. Dies war deshalb erforderlich, weil die Karten auf dem Landwege angeliefert und nach dem Lufttransport anschließend durch die Reichspost an den jeweiligen Adressaten zugestellt werden mussten. Weitere Einzelheiten sind der weiter unten stehenden Rubrik C Tarife zu entnehmen.
B Stempel

ba) Sonderstempel

Unverzichtbar sind die anlässlich der Veranstaltung extra produzierten Sonderstempel. Die amtlichen Flugpoststempel wurden von der Firma Gleichmann in Berlin auf Kosten des Veranstalters hergestellt, das heißt, die Stempelhoheit lag nicht etwa beim Veranstalter, sondern bei der Kaiserlichen Reichspost. Die Stempel wurden als Einkreisstempel von 39mm Durchmesser ausgeführt. Enthalten ist eine stilisierte Blume, welche wohl an die vorherigen Blumentage erinnern sollte.
Die Stempel Darmstadt unterscheiden sich noch in den Typ I (mit 9,7 mm Strichlänge unter dem Datum) bzw. in den Typ II (11,25 mm Strichlänge). Dieser Stempel auf den Belegen verkörperte die Garantie, dass ein Teil der Beförderung auf dem Luftwege stattgefunden hat.

bb) Bordstempel (zusätzlich auf der Karte)

Nun begegnen wir einem echten Highlight der frühen Zeppelinpostgeschichte. Dem passionierten Zeppelinsammler ist es selbstverständlich bekannt, das die Karten (nicht die Briefmarke selbst) mit privatem Bordstempel versehen wurden. Dieser Vorgang war im Jahre 1912, vor der offiziellen Einrichtung der späteren so genannten Postbetriebsstellen in den Zeppelinkabinen, noch nicht ganz so geläufig wie in der Folgezeit der Zeppelinepoche bis ins Katastrophenjahr 1937 (LZ 129 Hindenburg verbrannte am 6. Mai 1937 in Nordamerika beim Landeanflug auf den New Yorker Luftschiffflughafen Lakehurst). Dieser Stempel wurde an Bord des Luftschiffes (manchmal auch nachträglich) zur Kennzeichnung an Bord geschriebener oder aufgelieferter Post angebracht, hatte demnach keinen Entwertungs- sondern lediglich Dokumentationscharakter. Einige wenige Exemplare mit zusätzlichem Bordstempel existieren auch von der Flugpost am Rhein und Main. Bislang bekannt geworden sind Kombinationen mit Sonderstempel Darmstadt, Frankfurt am Main sowie Worms. Diese absolute Ausnahme stellt jeweils eine Rarität dar. Von den Bordstempeln existieren zwei verschiedene Typen. Obwohl hierzu teilweise auch Atteste der zuständigen Briefmarkenverbandsprüfer vorliegen, gibt es zu dieser Verwendung auch kritische Stimmen mit nicht ganz von der Hand zu weisenden Argumenten.

Zusätzlich abgebildet ist (rechts) der erste Bordpoststempel des Luftschiffes "Schwaben", welcher zur Abstempelung der Marken selbst ab dem 21. Juni 1912 verwendet wurde. Ob dieser auch im Rahmen der Flugpostwoche zum Einsatz gelangte, ist nicht bekannt, aber wenig wahrscheinlich, weil die Marken bereits mit dem Sonderstempel der Veranstaltung versehen wurden. Warum sollten also doppelte oder gar dreifache Abstempelung vorgenommen worden sein, zumal eine offizielle Postbetriebsstelle an Bord der „Schwaben" niemals eingerichtet worden war?

Flugpostkarte mit zusätzlichem Bordstempel Typ II (mit kritischen Anmerkungen)

bc) Verwendungszeitraum - Flugpoststempeldaten
Aus der Anweisung der Kaiserlichen Ober-Postdirektion Darmstadt vom 07. Juni 1912 an die Postämter in Darmstadt, Offenbach, Mainz und Worms geht klar hervor, dass das erste Verwendungsdatum des Sonderstempels der 12. Juni 1912 sein musste, gleichgültig ob die Postkarten am 09., 10., 11. oder 12. Juni eingeliefert wurden. Deshalb existiert vom Ersttag in diesen Städten eine relativ hohe Auflage (Bewertung). Die Kaiserliche Ober- Postdirektion Frankfurt am Main gab keine derartige Anweisung. Deshalb wurde der Sonderstempel in Frankfurt am Main vom 10. Juni an jeweils mit dem gültigen Datum verwendet. Ein Stempelabdruck Frankfurt am Main vom 09. Juni 1912 ist auf einer Postkarte bekannt, deren Absender jedoch der Hersteller des Stempels ist. Hieraus lässt sich ableiten, dass der 9. Juni kein echtes Verwendungsdatum ist.
Bekannt geworden ist jedoch eine Garnitur Musterabschläge mit Datum 9.6.12 (bzw. für Worms als Stempelfehler 6.9.12). Von Darmstadt existieren Karten mit Stempeldatum 10.6.12.
Um missbräuchliche Verwendung zu vermeiden, mussten die Stempel mit Ablauf der Veranstaltung, also am 24. Juni 1912 wieder vernichtet werden. Das letzte Verwendungsdatum ist mithin der 23. Juni 1912.

bd) Stempelverbotskarten
Den Postaufgabe- Sonderstempel sollte laut Anordnung des Reichspostamtes in Berlin nur die Reichspostmarke erhalten, die so genannte Luftmarke dagegen hatte, da sie eine private Ausgabe war, unentwertet zu bleiben. Aus Unachtsamkeit wurde diese Weisung von den Ober- Postdirektionen Frankfurt und Darmstadt so nicht weitergeben. In der Verfügung der Kaiserlichen Ober-Postdirektion Darmstadt vom Freitag, dem 07. Juni 1912 wurden die Kaiserlichen Postämter Darmstadt 1, Offenbach, Mainz 1, sowie Worms u.a. wie folgt angewiesen: ……….."Die mit den von der Zentrale als Luftpostkarten gekennzeichneten offiziellen Wohltätigkeits- Postkarten sind bei jeder Kastenleerung auszusondern, zu zählen und mit dem Sonderstempel sowohl auf dem Postwertzeichen als auch auf der Luftmarke deutlich zu bedrucken." ……….
Daraufhin erhielt die Kaiserliche Ober- Postdirektion Frankfurt am Main vom Reichspostamt Berlin am 14. Juni 1912 folgendes Telegramm: „Wie in Erfahrung gebracht, wird in Darmstadt private Luftpostmarke auf Karten der Postkartenwoche mit amtlichen Aufgabestempel bedruckt. Falls diese unzulässige Abstempelung auch dort stattfindet, sofort einstellen." Die telegrafische Rückantwort vom 16. Juni 1912 lautete:…" Damit wird der ganze Zweck wohltätiger Bestrebungen lahm gelegt. Da das Verfahren bereits 1 Woche besteht, wird weitere Genehmigung desselben beantragt." ….
Diesem Antrag wurde sodann entsprochen. Der telegrafische Schriftwechsel mit dem Reichspostamt hatte zur Folge, dass die Flugmarken auf den Karten am 14. und 15. Juni 1912 teilweise nicht gestempelt wurden. Es war auch möglich, dass bei späterer Vorlage der Karten die jeweilige Flugmarke nachgestempelt wurde. Etliche dieser Karten sind deshalb einige Tage später bezüglich der Flugpostmarke nachentwertet worden. Daher gibt es Karten, deren beide Stempel im Datum (bei der Flugmarke später) oder gar im Ort unterschiedlich sind. Hierbei handelt es sich um besonders begehrte Sammlerstücke. Zuzustimmen ist der Meinung, dass vom Standpunkt des Briefmarkensammlers die Luftmarken erst durch den postamtlichen Aufgabestempel voll sammelfähig und begehrenswert wurden.
Der Vollständigkeit sei erwähnt, dass auch aus anderen Gründen in Frankfurt bereits ab 10. Juni 1912 als nicht flugpostbeförderungswürdig (z.B. gewöhnliche Postkarten) bestimmten Postbelege als Stempelverbotskarten bezeichnet werden.

Beispiel Stempelverbotskarte Worms 15.06.1912
be) Stempelfehler

Natürlich sind im Eifer des Gefechts auch Fehler aufgetreten, die auf menschliches Versagen zurückzuführen sind und teilweise sehr gesuchte Unikate darstellen. Beispielsweise fehlen Daten oder es liegen diesbezügliche Verwechslungen vor. Diese sind überwiegend aus Darmstadt und Mainz bekannt.

bf) Stempel-Vorkommen
Nach Schätzungen tragen von den beförderten Belegen folgende Stempelabschläge:

Stempel absolut relativ
Darmstadt Typ I und II 189.000 41%
Frankfurt 133.600 29%
Mainz 64.500 14%
Offenbach 36.800 8%
Worms 36.800 8%
Summe 460.700 100%

Eine vollständige Garnitur der Michel-Nr. I bis VI lässt sich nur für die Stempel Darmstadt und Mainz zusammenstellen. Dies liegt an der seltenen Verwendung der 10 Pfennig E. EL. P Marken.

C Tarife

ca)
Flugpostmarken (Vignetten) des Veranstalters

Betrag Leistung
10 Pfennig Beförderungsanspruch mit dem Zeppelin, gelegentlich alternativ mit Flugzeug, bei Verwendung der vom Veranstalter herausgegeben Karten und private Karten der ersten Veranstaltungswoche.
20 Pfennig Wie 10 Pfennig mit zusätzlicher Spende in Höhe von 10 Pfennig.
30 Pfennig Ursprünglich geplantes Porto für sämtliche Beförderungen mit dem Zeppelin. In der zweiten Woche Verwendung für nicht vom Veranstalter herausgegebene Karten, Beförderungsanspruch mit dem Zeppelin, gelegentlich alternativ mit Flugzeug.
1 Mark Überdruckte Vignette "- 1 Mark - gelber Hund" mit orangegelber Karte, Beförderungsanspruch per Flugzeug. Achtung bei Abstempelung 23. Juni 1912, ersatzweise Beförderung mit dem Zeppelin, da vorgesehenes Flugzeug nicht einsatzfähig war. Da die Karte zusammen mit Luftpostvignette für den Betrag herausgegeben wurden, sind postfrische Exemplare relativ selten anzutreffen.
3 Mark Rote nummerierte Karte, Beförderung per Flugzeug (2 Mark zusätzliche Spende).
cb) Karten und sonstige Artikel des Veranstalters
kostenlos Siegelmarke welche auf der Rückseite der Werbeschreiben der Palaisverwaltung vor der Veranstaltung aufgebracht waren.
10 Pfennig Schwarz-weiß Fotokarten der Großherzoglichen Familie - günstigster Preis wohl um die möglichst hohe Verbreitung zu gewährleisten. Kein offizieller Verkauf in Frankfurt, da kein großherzogliches Gebiet, daher relativ seltene Verwendung (Bewertung!).
20 Pfennig Standardgrußkarte (oliv - Auflage 750.000 Stück) sowie Sonderkarten der Veranstaltung (so genannter "weißer Hund") selbst.
1 Mark Farbige Bildkarten des Jugendstilmalers Eugen Bracht (ursprünglich sollten auch diese für 10 Pfennig an das Publikum abgegeben werden).
1 Mark Die mit dem Flugzeug zu beförderten Karten waren zur besseren Unterscheidung in orangefarbenen Ton in einer Auflage von 10.000 Stück erschienen. Die Karte sollte ursprünglich in gelblichem Farbton, wie das Flugzeug herausgegeben werden, der Preis versteht sich für Karte und der Flugpostvignette.
1 Mark Wohlfahrtsbilder mit denselben Aufnahmen in der Größe 19/26 cm mit zugehörigem Passepartout zum Aufstellen.
3 Mark wie unter ca): Rote von 1 bis 2000 durchnummerierte Karten mit den zugehörigen privaten Luftpostmarken (in der Regel 3 Stück à 1 Mark, oder 10 Stück à 30 Pfennig). Heutige Bezeichnung "roter Hund" bzw. "grüner Hund".
cc) Reichspostbriefmarken
3 Pfennig Drucksache Inland - in der Regel Verwendung der Michel-Nr. 84 braune Germania.
5 Pfennig Postkarte Inland - in der Regel mit Michel-Nr. 85 grüne Germania.
10 Pfennig Postkarte Ausland und Brief Inland - in der Regel Michel-Nr. 86 rosa Germania.

Die Karten mussten zusätzlich mit dem üblichen Porto der Reichspost freigemacht werden. Insoweit waren für die anschließende Beförderung im Inland 5 Pfennig aufzuwenden. Üblicherweise geschah dies durch die entsprechende grüne Germaniamarke (Michel-Nr. 85). Nach den allgemeinen Beförderungsbedingungen der Reichspost umfasste der damalige Inlandsportotarif auch den Versand nach Österreich-Ungarn und Luxemburg sowie die Destinationen zu den deutschen Kolonien (in Teilen Afrikas und im pazifischen Raum) und Auslandspostämtern (China, Marokko und Türkei). Die Karten mit Adresse ins Ausland mit portogerechtem Inlandstarif sind sehr selten und immer wieder gesucht. Da diese Karten nicht direkt durch ihre äußerliche Aufmachung auffallen, lohnt sich deshalb vielleicht ein Blick auf die Anschrift des Empfängers.

Kaiserliche Zeiten - Beispiel Inlandstarif für die Beförderung auf eine pazifische Insel
Auch selten anzutreffen sind echte Auslandsfreimachungen, welche aber regelmäßig durch die aufgebrachte rosafarbene 10 Pfennig (Michel-Nr. 86) oder doppelte Verwendung der 5 Pfennig Marke ins Auge springen.

Zudem sind gelegentlich Überfrankaturen (z.B. doppelte Verwendung der braunen 3 Pfennig Marke (Michel-Nr. 84) ebenso anzutreffen, wie auch in Einzelfällen Einschreiben gesichtet worden sind.

D Karten

da) FLUG-POST-KARTEN auf farbigem Karton, glatt oder gerippt

Diese Karten stellte die Druckerei L. C. Wittlich in Darmstadt im Steindruckverfahren her.

Inschrift rückseitig
Stempel der Reichspost : Flugpost am Rhein u. Main * Beförderung durch Postluftschiff „Schwaben" - Flugpost am Rhein und Main * Eröffnung am 10. Juni 1912 zur Postkartenwoche der Großherzogin von Hessen und bei Rhein - Die wie üblich frankierte und mit Luftpostmarke (10 Pf.) versehene Luftpostkarte (20 Pf.) ist in einen beliebigen Briefkasten der Reichspost zu werfen. Sie wird dann von der Reichspost mit dem Stempel „Flugpost am Rhein und Main" abgestempelt, einen Teil des Postweges durch das Postluftschiff befördert und alsdann an jede Adresse des Weltpostverkehrs versandt

Auflage
A graubrauner (oliver) Karton 750.000 Stück
B oranger Karton 10.000 Stück
C roter Karton 2.000 Stück

Inschrift rückseitig
Die Flugpost am Rhein und Main wurde am 10. Juni 1912 unter dem Protektorat der Großherzogin von Hessen und bei Rhein eröffnet. Diese Karte wird auf dem Luftweg durch Leutnant von Hiddessen vom Leib-Dragoner-Regiment (2. Großherzogliches Hessisches) Nr. 24 mit einer Euler-Flugmaschine „Gelber Hund" befördert. - Die rote Flugzeugkarte ist nur in wenigen numerierten Exemplaren hergestellt und wird nur in den Luftpostämtern verkauft. Garantierter Flug-Post-Weg: Frankfurt a. M. - Darmstadt, oder Darmstadt - Worms, oder Worms - Mainz, oder Mainz - Frankfurt a. M. (Porto 3 Mark) - Post-Flugmaschine

Inschrift rückseitig
Die Flugpost am Rhein und Main wurde am 10. Juni 1912 unter dem Protektorat der Großherzogin von Hessen und bei Rhein eröffnet. Diese Karte wird auf dem Luftweg durch Leutnant von Hiddessen vom Leib-Dragoner-Regiment (2. Großherzogliches Hessisches) Nr. 24 mit einer Euler-Flugmaschine „Gelber Hund" befördert. Sie ist nur in einer kleinen Auflage erschienen. Garantierter Flug-Post-Weg: Frankfurt a. M. - Darmstadt, oder Darmstadt - Worms, oder Worms - Mainz, oder Mainz - Frankfurt a. M. (Porto 1 Mark) - Post-Flugmaschine

Die graubraunen Karten „oliver Hund" stellten die Standard-Grußkarten mit Luftschifftransport während der Veranstaltung dar. Der orangefarbene (sollte ursprünglich in gelber Ausfertigung, wie das Postflugzeug erscheinen) und rote Karton wurde zur besseren Unterscheidung für den Anspruch auf Flugzeugbeförderung herausgegeben. Diese Karten sollten beim Verteilen also auffallen. Der Druck der orangenen und roten Karten erfolgte im Buchdruck auf einseitig gerippten Kartonbahnen vorder- und rückseitig mit 16er Klischees in schwarz. Die roten Karten sind vorderseitig zusätzlich einzeln nummeriert. Die Paginierung der roten Karten erfolgte nach Zuschnitt in einem separaten Druckvorgang von No. 1 bis 2000. Als Abart sind wenige Karten mit Doppel- bzw. Schmitzdruck (Schattendruck) der Paginier-Nummern bekannt. Nach Schätzungen sind etwa hundert Jahre nach der Veranstaltung noch circa 750 rotfarbige Karten erhalten geblieben.

db) OFFIZIELLE POSTKARTEN (Fotos aus Darmstadt- Hessen)

D    Familie - Großherzog mit Frau und beiden Söhnen
E   Großherzog von Hessen in Uniform
F   Großherzogin von Hessen
G   Hessische Prinzen (Söhne) im Sommerkleidung
H   Hessische Prinzen (Söhne) in Kosaken-Uniform

Hierbei handelt es sich um die neuesten Bilder der Großherzoglichen Familie, die im Jahre 1912 vom Hoffotografen Steinacker angefertigt wurden. Die Abbildungen beim Wenden der Karten erscheinen entweder normal oder kopfstehend. Drei Abbildungen weisen stehende Motive auf.
Die Karten zu den Tz db) und dc) weisen mit den Originalabmessungen von 13,7 cm x 8,6 cm etwas geringere Maße auf, als die anderen Karten der Veranstaltung, bei denen jeweils eine Orginalabmessung von 14,2 cm x 9,5 cm zu verzeichnen ist.

dc) OFFIZIELLE POSTKARTEN (Fotos aus der Krim- Russland)

I     Hessische Prinzen (Söhne) auf einem Balkon
J   Hessische Prinzen (Söhne) an einem Korbtisch
K   Großfürst Thronfolger von Russland und der Erbgroßherzog von Hessen (ältester Sohn)
       am Strand von Livadia (Krim)
L   Hessische Prinzen (Söhne) und russischer Thronfolger
M   Hessische Prinzen und russischer Thronfolger mit zwei seiner Schwestern
N   Hessische Prinzen und russischer Thronfolger mit seinen vier Schwestern

Die Aufnahmen entstanden wohl im April 1912, während eines Aufenthalts der herzoglichen Paares bei Verwandten, der Zarenfamilie, auf der Krim und zeigen die Kinder beider Familien.

dd) OFFIZIELLE POSTKARTEN (mit farbigen Bildmotiven)

O   Jagdschloss Wolfsgarten bei Langen (Hessen)
P   Otzberg (Lengfeld - Odenwald)
Q   Frankenstein (Eberstadt) vom Felsberg aus gesehen

Die farbigen Bildkarten wurden von dem Jugendstilmaler Eugen Bracht (1842-1921) gestaltet, welcher diese mit drei Motiven der Darmstädter Umgebung versehen hat. Die Kartenserie wird auch als so genannter "bunter Hund" bezeichnet.

de) FLUG-POST-KARTEN (mit Ereignismotiven)

R   Ankunft der Postflugmaschine
S   Ankunft des Postluftschiffes
T   Auswechslung der Postsäcke
U   Galapostillone
V   Verkauf der Luftpostkarten
W   Luftpostamt II

Nach den ersten Tagen kamen weitere sechs Karten mit Fotos der Veranstaltung von Susanne Homann zur Ausgabe, welche in Darmstadt, auf dem damaligen Exerzierplatz anlässlich der ersten Flugpostbeförderungen am Montag, dem 10. Juni 1912 (Flugzeug) sowie am Mittwoch, dem 12. Juni 1912 (Luftschiff) aufgenommen wurden.

df) Fotokarten 1911

Muster für die Anschriftenseite der Karten

XBA1    [1]   Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen (bildgleich wie 1910)
XBA2    [2]   Eleonore, Großherzogin von Hessen (bildgleich wie 1910)
XBA3    [3]   Ernst Ludwig und Eleonore (bildgleich wie 1910)
XBB1    [4]   Erbherzog Georg und Prinz Ludwig (bildgleich wie 1910)
XBB2    [5]   Großherzog von Hessen mit Familie auf Bank
XBB3    [6]   Erbgroßherzog und Prinz von Hessen mit drei Kindern
XBB4    [7]   Erbgroßherzog und Prinz (im Kinderwagen) mit Zarewitsch
XBB5    [8]   Erbgroßherzog und Prinz mit Zarewitsch (Großfürst Thronfolger) auf einer Bank
XBB6    [9]   Die Großherzoglichen Prinzen (sitzend) am Meer (bildgleich wie 1910)
XBB7   [10]  Die Großherzoglichen Prinzen (stehend) am Meer (bildgleich wie 1910)
XBB8   [11]  Großherzog Ernst Ludwig und der Zar von Russland
XBB9   [12]  Die 5 Kinder der russischen Zarenfamilie
XBB10  [26]  Erbgroßherzog und Prinz von Hessen mit Blumensträußen
XBB11  [27]  Erbgroßherzog und Prinz von Hessen in der Pferdekutsche
XBB12  [28]  Großherzog und Großherzogin auf Balkon
XBB13  [29]  Großherzog und Großherzogin mit beiden Söhnen auf Balkon
XBB14  [30]  Großherzog und Großherzogin mit beiden Söhnen (diese auf Teddy) auf Balkon

Die großherzogliche Familie erfreute sich beim Volk großer Popularität und Beliebtheit. Deshalb wurden auch Restmengen der Kartenausgaben aus den beiden Vorjahren im Rahmen der beiden Flugwochen des Jahres 1912 gelegentlich verwendet. Insgesamt werden noch rund 100 existierender Karten aus dem Jahre 1911, welche eine Serie von siebzehn verschiedenen Ausgaben umfasst, vermutet, welche sich durch die anschriftenseitig braune Druckfarbe u.a. des aufgebrachten Emblems von den Karten des Jahrgangs 1910 eindeutig unterscheiden lassen.
Auch der Autor dieser Homepage muss an dieser Stelle eingestehen, dass er noch keine derartige Karte in natura bewundern durfte.

dg) Fotokarten 1910

Blankoanschriftenseite der Karten 1910

XAA1  [1]  Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen (bildgleich wie 1911)
XAA2  [2]  Eleonore, Großherzogin von Hessen (bildgleich wie 1911)
XAA3   [3]  Ernst Ludwig und Eleonore (bildgleich wie 1911)
XAB4  [4]  Erbherzog Georg und Prinz Ludwig (bildgleich wie 1911)
XAB5  [5]  Die Großherzoglichen Prinzen (sitzend) am Meer (bildgleich wie 1911)
XAB6   [6]  Die Großherzoglichen Prinzen (stehend) am Meer (bildgleich wie 1911)

1910 verausgabte die Großherzogliche Fürsorgezentrale eine anschriftenseitig nummerierte Serie von sechs Fotokarten mit Bildmotiven aus dem Leben der großherzoglichen Familie, mit anschriftenseitig schwarzem Druck. Die Anzahl der heute noch belegbaren Karten des Jahrganges 1910 beläuft sich insgesamt auf weniger als 50 Stück. Allein diese Zahl gibt einen Hinweis auf den Grad der Seltenheit dieser "Vorläufer"- Karten.

dh) Nicht offizielle Karten und Briefe

Sehr selten sind private Karten, d.h. nicht vom Patronat extra für diese Veranstaltung herausgegebene Belege, mit der Flugpost befördert worden. Vereinzelte Briefbeförderungen stellen jeweils Unikate dar.

Extrem selten: Muster für Briefbeförderung

Y  Post-, Ansichts- und Ganzsachen-Karten
Z  Briefe

Auf Ansinnen der örtlichen Papierwarenhändler, die sich im Absatz ihrer Ansichtskartenvorräte beeinträchtigt fühlten, wurden alsbald Postkarten beliebiger Art offiziell zugelassen. Die Postkarten waren in der zweiten Veranstaltungswoche mit der 30 Pfennig Luftpostmarke freizumachen, nachdem bereits in der ersten Woche "private" Karten mit nur 10 Pfennig Luftpostfrankatur durchgerutscht waren. Zudem sind einzelne Briefe im Rahmen der Veranstaltung anstandslos mitbefördert worden, obwohl diese offiziell überhaupt nicht zulässig waren.